Psyche - ein Tabu-Thema in der Arbeitswelt!?

Nov 04, 2019

Immer mehr Menschen fühlen sich im Job gestresst - auf Dauer macht Arbeitsstress krank. Psychische Belastungen und daraus folgende Erkrankungen sind aber immer noch Tabu-Themen am Arbeitsplatz.

Psyche - ein Tabu-Thema in der Arbeitswelt!?

Jeder hat sie, aber keiner will darüber sprechen. Das mag daran liegen, dass der Begriff "Psyche" in unserer Gesellschaft generell eher negativ belegt ist. Dabei ist das Wort an sich neutral und es kommt auf den Kontext an, in dem es verwendet wird. In unserer Arbeitswelt gewinnt der Begriff "Psyche" tatsächlich aufgrund von negativen Anlässen zunehmend Aufmerksamkeit und wir kommen nicht mehr umhin, uns mit dieser Ebene des Menschen in Unternehmen auseinander zu setzen. Denn Krankenstatistiken belegen jedes Jahr, dass die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Belastungsfolgen steigen. Des Weiteren ergeben sich oft - neben langen krankheitsbedingten Fehlzeiten - weitere negative Auswirkungen im Unternehmen, wie z. B.: Leistungs- und Qualitätseinbußen, Präsentismus, Absentismus, Burnout, schlechtes Betriebsklima, vermehrt auftretende Konflikte, Suchterkrankungen, innere Kündigung, etc. Diese Konsequenzen werden i. d. R. allgemein beklagt oder verdrängt oder stiefmütterlich behandelt. Dass die Gründe für mangelnde Leistung oder abwesende Beschäftigte nicht selten im eigenen Unternehmen zu finden sind, wird leider (noch) zu selten berücksichtigt. Arbeitgeber vergeuden so wertvolle Potenziale, Chancen für Optimierungen und nehmen hohe Kosten und Reibungsverluste in Kauf.

Vorsorgen ist immer noch besser als nachsorgen

Der beste Weg zur Vorsorge von psychosozialen Problemstellungen im Betrieb ist auch hier Prävention. Und das ist nicht als nice-to-have-Modell zu verstehen; die psychische Gesundheit der Beschäftigten ist laut Gesetzgeber durch entsprechende innerbetriebliche Strukturen und Maßnahmen zu unterstützen bzw. zu fördern. Es muss nicht nur körperlichen Arbeitsunfällen vorgebeugt werden, sondern auch seelischen Gefährdungen. Dies zählt mit zu den gesetzlich verankerten Aufgaben des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Betrieb. Zudem macht es auch aus wirtschaftlichen Gründen für Arbeitgeber Sinn, möglichst frühzeitig Über- und Unterforderung, individuelle Krisen, Konflikte im Team, Mobbing, etc. zu erkennen und solchen Negativ-Entwicklungen gezielt gegenzusteuern. Nur, wie stellt man das am besten bei diesem sensiblen Thema an, das doch schwer zu packen ist?

Fatale Lücke im System

In der Regel fehlt es im Unternehmen an einer fachkundigen betrieblichen Vertrauensperson für Mitarbeiter und Führungskräfte, die erste Anzeichen von psychisch bedingten Problemen bei Beschäftigten oder soziale Dysbalancen im Betriebsklima erkennen kann - und die weiß, was zu tun ist, ohne Arzt zu sein. Es geht um das zwischenmenschliche Miteinander am Arbeitsplatz und da spielen vielfach Berührungsängste, Vorurteile und Unkenntnisse eine große Rolle.
Wie erkennt man, ob jemand in einer psychisch oder sozial misslichen Lage steckt? Wie spricht man die vermeintliche Person am besten darauf an, wenn man Unterstützung anbieten will? Wen kann man um Rat fragen bei individuellen Krisen, Ängsten, Sorgen oder Konflikten im Arbeitsalltag? Wer steht als diskreter und qualifizierter Gesprächspartner im Team zur Verfügung? Wer kann im Bedarfsfall zeitnah situationsgerechte und lösungsorientierte Vorgehensweisen auf Augenhöhe beisteuern? Wie kann ein Betroffener Hilfe im Unternehmen finden ohne stigmatisiert zu werden oder mit sonstigen Repressalien rechnen zu müssen? Und, wie kann negativen Entwicklungen im Team proaktiv vorgebeugt werden? In diesen Fragen steckt der Ruf nach Veränderung.

Wachsende Anforderungen in der Arbeitswelt 4.0

Von Führungskräften wie Mitarbeitern wird im Job ein hohes Maß an fachlicher, personaler und sozialer Kompetenz, gepaart mit der Fähigkeit, psychischen Belastungen gut stand zu halten, erwartet. Darüber hinaus wachsen die Leistungsanforderungen, die Arbeitsgeschwindigkeit nimmt zu und die Arbeit wird immer komplexer. Nicht allen Menschen gelingt es, dieser, sich ständig verändernden Arbeitswelt jeder Zeit gerecht zu werden. Für Beschäftigte, die nicht über ausreichend individuelle Ressourcen und Kompetenzen verfügen, um sich auch in schwierigen Zeiten in der Balance zu halten, gibt es im Tagesgeschäft für den Einzelnen oft kein Verständnis oder gar hilfreiche Unterstützung.
Zudem sind Kollegen wie Führungskräfte hier oft selbst überfordert oder zu sehr mit sich und ihren Aufgaben beschäftigt. Bedauerlicherweise werden Problematiken psychosozialer Art bzw. psychische Erkrankungen im Arbeitsalltag nicht unbedingt richtig ernst genommen.

Mitarbeiter-Fürsorge kommt oft zu kurz

Führungskräfte kommen somit nicht immer ausreichend ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern nach. Besonders im mittleren Management fühlen sich Führungskräfte am häufigsten von allen Seiten unter Druck gesetzt und geben den fachlichen Aufgaben Vorrang. Damit sind oft die zur Verfügung stehenden Ressourcen aufgebraucht, um die Beziehungsebene zu ihren Mitarbeiter zu pflegen. Aufgabenorientierte Führung überwiegt und der "Auftrag des Kümmerns" innerhalb der Führungsaufgabe kommt folglich zu kurz. Darüber hinaus verfügen Führungskräfte nicht unbedingt über die notwendigen Qualifikationen und Kompetenzen, um psychosoziale Negativ-Entwicklungen in ihrem Team rechtzeitig wahrzunehmen und entsprechend darauf reagieren zu können. Vorgesetzte wie auch Kollegen sind oft ratlos und schweigen lieber wo Ansprache und Hilfestellungen notwendig wären. Das kann fatale Folgen haben!

Unternehmen sollten jetzt handeln!

Der Unternehmenserfolg hängt wesentlich von gesunden und motivierten Beschäftigten ab. Im Zeitalter des demografischen Wandels und eines "Bewerber-Marktes" sollten Unternehmen unbedingt Maßnahmen ergreifen, damit Mitarbeitende wie Führungskräfte an ihrem Arbeitsplatz so unterstützt werden, dass gesundheitliche Risiken - physisch wie psychisch - frühzeitig erkannt und behoben bzw. bestmöglich reduziert werden. Des Weiteren ist auf eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur mit einem guten Betriebsklima zu achten - dann klappt es auch ohne Umwege mit dem Unternehmenserfolg!

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, um für ein gesundes psychosoziales Miteinander im Unternehmen zu sorgen. Ich unterstütze Sie dabei, die für Ihr Unternehmen passenden Schritte und Maßnahmen durchzuführen. ›› Kontakt

Lesen Sie dazu auch unter Leistungen: ›› Förderung der psychosozialen Gesundheit im Betrieb.

Qualifizierungs-Tipp für Beschäftigte

Zur innerbetrieblichen Verstärkung empfehle ich die ›› Ausbildung zur Fachkraft für psychosoziale Unterstützung im Betrieb.

 

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